SOURCE: International Diabetes Federation (IDF)

October 20, 2009 05:41 ET

Die neuesten Diabetes-Zahlen zeichnen ein düsteres globales Bild

Epidemie laut Internationaler Diabetes-Föderation außer Kontrolle

MONTREAL, QUEBEC--(Marketwire - October 20, 2009) - Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) hat heute neue Daten veröffentlicht, die belegen, dass weltweit sage und schreibe 285 Millionen Menschen an Diabetes leiden. Die aktuellen Zahlen aus dem Diabetes-Atlas der IDF zeigen, dass die Menschen in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen von der Epidemie am stärksten betroffen sind und dass weit mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter erkranken, als bisher angenommen.

1985 ergaben die besten verfügbaren Daten eine weltweite Zahl von 30 Millionen Diabetikern. Bereits 15 Jahre später hatte sich diese Zahl auf knapp über 150 Millionen erhöht. Heute, nicht einmal ein weiteres Jahrzehnt später, beläuft sich die neue Zahl - die auf dem 20. Welt-Diabetes-Kongress in Montreal (Kanada) bekanntgegeben wurde - auf fast 300 Millionen, wobei über die Hälfte der Betroffenen zwischen 20 und 60 Jahren alt ist. Die IDF schätzt, dass es 2030 insgesamt über 435 Millionen Diabetiker geben wird, wenn die Erkrankungen weiterhin unkontrolliert zunehmen. Das wären weit mehr Menschen, als momentan in Nordamerika leben.

Prof. Jean Claude Mbanya, der Präsident der Internationalen Diabetes-Föderation, ist besorgt: "Aus den in der jüngsten Auflage des Diabetes-Atlas der IDF veröffentlichten Daten geht hervor, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten ist. Wir verlieren bei unserem Kampf gegen die Ausbreitung von Diabetes immer mehr an Boden. Kein Land ist immun, und kein Land ist gegen diesen gemeinsamen Feind hundertprozentig gerüstet."

Typ-1-Diabetes kann nicht verhindert werden. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper seine eigenen Insulin produzierenden Zellen zerstört. Menschen mit Typ-1-Diabetes benötigen täglich Insulinspritzen, um zu überleben. Die Mehrheit der Diabetiker leidet jedoch unter Typ-2-Diabetes (85%-95%), der in vielen Fällen verhindert werden kann. Menschen mit Typ-2-Diabetes können das Insulin, das sie produzieren, zwar nicht effektiv verwerten, können ihre Krankheit jedoch häufig durch Sport und eine gesunde Ernährung in den Griff bekommen. Viele von ihnen sind jedoch auch weiterhin auf Medikamente wie Insulin angewiesen, um den Blutzucker einzustellen. Es wird davon ausgegangen, dass mindestens 60% aller Erkrankungen an Typ-2-Diabetes verhindert werden könnten.

Sowohl Tpy-1- als auch Typ-2-Diabetes stellen eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar. Diabetes kostet jedes Jahr vier Millionen Menschen das Leben und ist eine der wichtigsten Ursachen von Erblindung, Nierenversagen, Herzinfarkten, Schlaganfällen und Amputationen.

Diabetes weltweit auf dem Vormarsch

Zum jetzigen Zeitpunkt sind sieben Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung an Diabetes erkrankt. Die Regionen mit dem höchsten Prozentsatz an Diabetikern sind Nordamerika mit einem Anteil von 10,2 % Diabetikern an der erwachsenen Bevölkerung, gefolgt vom Nahen Osten und der nordafrikanischen Region mit 9,3%. Die Regionen mit den meisten Diabetikern sind die Westpazifik-Region, wo etwa 77 Millionen Menschen an Diabetes leiden, und Südostasien mit 59 Millionen.

Indien ist das Land mit den meisten Diabetikern, mit momentan 50,8 Millionen, vor China mit 43,2 Millionen. Es folgen die Vereinigten Staaten (26,8 Millionen), die Russische Föderation (9,6 Millionen), Brasilien (7,6 Millionen), Deutschland (7,5 Millionen), Pakistan (7,1 Millionen), Japan (7,1 Millionen), Indonesien (7 Millionen) und Mexiko (6,8 Millionen).

Was den prozentualen Anteil der erwachsenen Bevölkerung mit Diabetes betrifft, so verweisen die aktuellen Daten auf die verheerenden Auswirkungen von Diabetes in der Golfregion, wo fünf der Golfstaaten zu den zehn Ländern mit dem höchsten Anteil an Diabetikern zählen. Der pazifische Inselstaat Nauru hat weltweit den höchsten Prozentsatz an Diabetikern, fast ein Drittel seiner erwachsenen Bevölkerung (30,9%) lebt mit der Krankheit. Es folgen die Vereinigten Arabischen Emirate (18,7%); Saudi Arabien (16,8%); Mauritius (16,2%); Bahrain (15,4%); Réunion (15,3%); Kuwait (14,6%); Oman (13,4%); Tonga (13,4%) und Malaysia (11,6%).

Eine zunehmende wirtschaftliche Belastung

Diabetes ist inzwischen eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verflochten. In Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen gefährdet er die Gesundheit und den wirtschaftlichen Wohlstand. Die IDF rechnet damit, dass Diabetes die Weltwirtschaft im Jahr 2010 mindestens US$376 Milliarden kosten bzw. für 11,6% der weltweiten Ausgaben im Gesundheitswesen verantwortlich zeichnen wird. Man schätzt, dass sich diese Zahl bis 2030 auf über US$490 Milliarden erhöhen wird. Über 80% aller Ausgaben für Diabetes werden in den reichsten Ländern der Welt getätigt und nicht in den ärmeren Ländern, in denen gegenwärtig mehr als 70 Prozent der Diabetiker leben.

$198 Milliarden bzw. 52,7% der weltweiten Gesamtausgaben für Diabetes entfallen auf die Vereinigten Staaten. Indien, das die meisten Menschen mit Diabetes hat, zeichnet für US$2,8 Milliarden bzw. 1% der weltweiten Gesamtausgaben verantwortlich. In den meisten Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen müssen Diabetiker ihre Behandlung aus eigener Tasche bezahlen, weil öffentliche Gesundheitsdienstleistungen und Krankenversicherungen kaum angeboten werden. In einem Land mit geringem oder mittlerem Einkommen führt die Diagnose Diabetes oft zur Verarmung ganzer Familien.

"Die Welt muss in integrierte Gesundheitssysteme zur Diagnostizierung, Behandlung, Handhabung und Verinderung von Diabetes investieren", so Prof. Nigel Unwin, Leiter des Expertenteams, das den Diabetes-Atlas der IDF erstellt hat. "Außerdem müssen die Regierungen in Aktionen außerhalb des offiziellen Gesundheitssektors investieren, insbesondere in die Förderung einer gesünderen Ernährungsweise und mehr körperlicher Bewegung, um Fettleibigkeit entgegenzuwirken und das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, zu senken. Ohne effektive Vorbeugung wird Diabetes die Gesundheitssysteme überfordern und ein Wirtschaftswachstum verhindern."

Die Integration von Plänen zur Verhinderung von Diabetes in die nationalen Gesundheitssysteme und politischen Rahmenbedingungen ist ein wichtiger Schritt. Die IDF warnt, weltweit seien viele Gesundheitssysteme noch nicht dafür gerüstet, der Diabetes-Bedrohung zu begegnen, doch wenn nichts getan wird, hat das drastische Folgen.

"Die Epidemie ist nichts geringeres als ein globaler Gesundheitsnotfall", so IDF-Präsident Mbanya. "Es ist alarmierend, dass die führenden Staatsmänner einfach zusehen, wie die Zeitbombe Diabetes langsam tickt. Die drastischen Folgen für Familien, Länder und ihre Wirtschaft werden mit kaum spürbarem Widerstand in Kauf genommen. Regierungen, Hilfsorganisationen und die internationale Gemeinschaft müssen gemeinsam Schritte zur Entschärfung der Zeitbombe Diabetes unternehmen, bevor diese explodiert."

Journalisten finden im Internet entsprechende Bilder und Datenschaubilder im Diabetes-Atlas der IDF, 4. Auflage, auf www.diabetesatlas.org. Die Website steht ab 19. Oktober, 12:30 pm EDT zur Verfügung, oder setzen Sie sich vorab mit Kerrita McClaughlyn, Mobil +32 487 530 625, in Verbindung.

Funk- und Fernsehjournalisten können Colin McCallum von Rockhopper TV über +44 208 969 1616 oder Mobil +44 7941 233760 kontaktieren, um Zugang zu entsprechendem sendefähigen Material zu erhalten.

Hinweis für Journalisten:

Der Diabetes-Atlas der IDF enthält aktuelle Schätzungen der Diabetes-Prävalenz und gestörten Glukose-Toleranz sowie die Gesundheitsausgaben für 216 Länder und Regionen für die Jahre 2010 und 2030.

Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) ist eine Dachorganisation mit mehr als 200 Mitgliedsverbänden in über 160 Ländern, die mehr als 285 Millionen Menschen mit Diabetes, ihre Familien und Gesundheitsdienstleister vertritt. Ziel der IDF ist es, die Behandlung, Verhinderung und Heilung von Diabetes weltweit voranzutreiben. Zu ihren Hauptaktivitäten zählen die Bildung und Aufklärung von Menschen mit Diabetes und Angehörigen der Gesundheitsberufe, Sensibilisierungskampagnen sowie die Übermittlung und der Austausch von Informationen. Die IDF ist eine Nichtregierungsorganisation, die offizielle Beziehungen zur WHO unterhält und mit der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten Nationen assoziiert ist. Die IDF organisiert alle zwei Jahre den Welt-Diabetes-Kongress. Weitere Informationen finden Sie auf www.idf.org.

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